Badische Zeitung 16.Juli 2009

Wieder freie Sicht auf den Galgenbühl

BREITNAU. Ein schaurig-schöner Blick bot sich im 19. Jahrhundert den Gästen des Hotels "Sternen" im Höllental. Sie konnten vom Zimmer aus den damals unbewaldeten Galgenhügel hinter dem Hotel sehen, wo einst Todesurteile vollstreckt wurden. Inzwischen ist der Hügel zugewachsen. Zur Freude von Wanderern und Heimatkundlern soll der geschichtsträchtige Buckel abgeholzt und damit wieder begehbar werden. Für Bürgermeister Wolfgang Schlachter ist das "eine tolle Idee."

Die Fotografie mit dem Hotel „Sternen“ und dem unbewaldeten Galgenbühl mit Pavillon im Höllental entstand kurz vor Beginn der Bauarbeiten für das Ravennaviadukt. | Foto: ARCHIV BREITNAU

Der Einfall stammt wohl vom Vorsitzenden der Interessensgemeinschaft Dreiseenbahn, Jens Reichelt. Aufgegriffen hat die Idee Karl-Ludwig Gerecke aus Schluchsee. Vor den Mitgliedern des Heimatpfads Hochschwarzwald erläuterte der Leiter des Kreisforstamtes Breisgau-Hochschwarzwald die Pläne. Auf dem Galgenhügel weideten zu Beginn des letzten Jahrhunderts Rinder. Ganz oben stand ein kleiner Pavillon. Irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Hügel aufgeforstet und ist jetzt komplett zugewachsen. Gerecke: "Noch in diesem Jahr soll der Wald abgeholzt werden." Dass er sich in Staatseigentum befindet, vereinfache das Vorhaben.

Der Forstdirektor sprach von einer "erheblichen Veränderung des Landschaftsbildes." So soll es nicht nur ein Kahlschlag sein, der bald wieder zuwächst, sondern das Areal soll touristisch genutzt werden: "Von der Spitze aus bietet sich ein fantastischer Blick in das Tal und auf die Ravennabrücke. Das ist für jeden Eisenbahnfan aber auch für alle anderen ein visueller Genuss." Das 1885 erbaute Viadukt ist auf den beiden Seiten ebenfalls teilweise zugewachsen und soll stärker freigestellt werden. Das forstliche Gesamtprojekt wird unter Leitung von Revierleiter Helmut Schlosser voraussichtlich im Herbst in Angriff genommen.

"Das habe ich mir schon lange gewünscht," strahlte Karl Harter, der regelmäßig Führungen in der St.-Oswald-Kapelle macht. Ob auch sein zweiter Wunsch, die alte Steige wieder frei zu legen, in Erfüllung geht, ist offen, da es sich dabei teilweise um Privatwald handelt.

1885 wurde die erste Ravennabrücke gebaut. Die Pfeiler waren aus Sandstein. Der Bau der Pfeiler und Widerlager dauerte 14 Monate. Die Eisenträger waren in fünf Monaten montiert. Die Tragfähigkeit ließ jedoch keine schweren Lokomotiven zu und durch den Gleisbogen war nur eine langsame Fahrt möglich.

1925 begann der Bau der neuen Ravennabrücke
1925 begann der Bau des massiven Ravennaviadukts. Am 14. Dezember 1927 erfolgte die Inbetriebnahme. Die neue Brücke war vollständig gemauert und hatte eine Länge von 224 Metern bei einer Höhe von 40 Metern. Die Pfeiler wurden bis zu 30 Meter tief im Boden gegründet. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs sprengten deutsche Soldaten das Viadukt. 1947/48 wurde die Verbindung unter Aufsicht der französischen Besatzungsmacht wieder errichtet. Die Brücke ist 58 Meter hoch und überwindet eine Steigung von zwölf Metern.

Nach Darstellung des Buchautors Roland Weis soll das letzte Hochgericht des einstigen Sickingergeschlechts noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts Urteile an dem Galgen vollstreckt haben: "Letztes Opfer soll eine Magd aus Breitnau gewesen sein." Der neue Galgen stand dann beim einstigen Hotel "Weißes Rössle" in Hinterzarten.